Seit 2018 verkauft Rudolf Schmeer mit seinem „Modemobil“ Kleidung an Senioren, Kurgäste und andere Menschen, die selbst nicht mobil sind.

Von Meike Ruppe-Schmidt 22.06.2021

Rund 1.500 Kleidungsstücke, darunter auch Mode- und Orthopädieschuhe, hat Rudolf Schmeer im Sortiment seines „Modemobils“. Foto: Meike Ruppe-Schmidt

Weißenfels – Bequem muss sie sein, funktionell – aber vor allem auch schick. „Senioren sind heutzutage viel modebewusster, als noch vor 20 Jahren“, sagt Rudolf Schmeer. Der 58-Jährige weiß, wovon er spricht. Seit 2018 ist er mit seinem „Modemobil“ im Burgenlandkreis und in Teilen Thüringens unterwegs, fährt mit seinem Kleinbus in Seniorenheime, Begegnungsstätten, Kurkliniken, Wohnresidenzen und andere Senioren-Treffpunkte. Im Gepäck: Kleider, Hosen, Oberteile, Nachtwäsche, alles säuberlich sortiert an Stangen nach Farben und Größen, darunter auch Kurzgrößen. Diese bietet er nach Terminabsprache in verschiedenen Einrichtungen an.

Inzwischen rollen insgesamt 33 „Modemobile“ durch ganz Deutschland

Vorteil: „Die Senioren, die schlecht zu Fuß sind, können direkt vor Ort einkaufen“, so Schmeer. „Die Kleidung kann direkt im vertrauten Umfeld anprobiert werden. Und ganz wichtig ist der Eventcharakter.“ Denn auf Wunsch könne der Verkauf als Modenschau bei Kaffee und Kuchen oder einem Frühstück stattfinden. Der Clou: „Models sind die Bewohner der Einrichtungen selbst“, sagt Schmeer. „Sie führen die Kleidungsstücke auf dem roten Teppich vor und das ist für alle ein kleiner Höhepunkt.“ Ein Erlebnis, auf das die Senioren zwar während des Lockdowns verzichten mussten. „Aber in den Sommermonaten biete ich beispielsweise auch Terrassenverkäufe an“, so Schmeer. Auch Einzel- und Kleingruppenverkäufe sowie Probesendungen seien möglich.

Bei den Kleidungsstücken selbst handelt es sich überwiegend um eine Eigenkollektion, der Firma „Modemobil“, die 2003 als Franchise-Unternehmen in Wuppertal gegründet wurde. Inzwischen rollen insgesamt 33 „Modemobile“ durch ganz Deutschland. Allerdings gibt es neben Schmeers Kleinbus nur zwei weitere „Modemobile“ in den neuen Bundesländern. Was den gebürtigen Saarbrücker in die Region verschlagen hat? „Meine Frau stammt aus Weißenfels“, verrät Schmeer.

Trotz Internet: Modemobil hat es geschafft, eine Marktnische zu finden

Die beiden haben sich Anfang der 90er Jahre durch den Job im ehemaligen Einkaufscenter „Saalepark“ (heute Nova) in Günthersdorf kennengelernt. Nach verschiedenen Stationen als Verkaufsleiter in großen Kaufhäusern und zuletzt als Regionalleiter Ost einer Modekette wagte Schmeer 2018 den Neustart mit dem „Modemobil“.

Grund: „Der Einzelhandel leidet immer stärker unter der Konkurrenz des Internet.“ Mit dem Modemobil hat er es jedoch geschafft, eine Marktnische zu finden. „Durch eine Abstimmung mit den jeweiligen Ansprechpartnern in den Einrichtungen kann ich das Sortiment vor meinem Besuch je nach Bedarf an Alter, Geschmack und Geldbeutel anpassen“, sagt Schmeer. „Dadurch ist jeder Tag für mich anders.“ Nur eins bleibt gleich: „Das Schönste für mich ist stets das positive Feedback der Kunden.“